Goldakupunktur

Liebe Tierbesitzer,

haben Sie schon einmal darüber nachgedacht,wie Ihr Hund Schmerzen äußert?
Die Palette der Schmerzäußerungen unserer Hunde ist sehr breit. Die nachfolgende Aufzählung von Verhaltensweisen soll Ihnen einen kleinen Eindruck geben, wie vielfältig die Schmerzäußerung unserer Tiere sein kann:·

  • bereits als kleiner Hund immer  viel tollpatschiger gewesen,
  • scheinbar unbegründete Aggressivität gegenüber Artgenossen und Menschen,
  • will sich auf dem Rücken und an den Hinterbeinen nicht bürsten lassen,
  • beim Berühren Rückenfells zuckt die Haut,
  • nach längerem Liegen schweres Aufstehen
  • beim Absetzen wird ein Hinterbein ausgestreckt unter den Bauch geschoben,
  • will Treppen nicht mehr steigen,
  • will nicht mehr freiwillig ins Auto springen,
  • beim Spielen schnell müde und beim Toben mit anderen Hunden bleibt er hinter diesen zurück,
  • nach langen Spaziergängen Nachziehen eines Beins oder sogar ein wenig Lahmen.

Sollten Sie eine oder mehrere der vorgenannten Verhaltensweisen häufiger oder dauerhaft bei Ihrem Hund beobachtet haben, dann könnten dies Hilferufe Ihres Hundes sein, mit denen er auf ein Schmerzproblem aufmerksam machen möchte. Dies gilt auch für Hunde, die bereits zeitlebens bestimmte vorgenannte Verhaltensweisen zeigen. Im Interesse der Lebensqualität Ihres Hundes und eines langen fröhlichen, gesunden, schmerzfreien Zusammenlebens mit Ihrem Hund lassen Sie doch beim nächsten Tierarztbesuch einmal testen, ob Ihr Hund Schmerzen hat.

Die Schmerzerkennung ist, wie Sie aus der Vielfältigkeit der Schmerzäußerungen unserer Tiere entnehmen können, auch für uns Tierärzte eine mitunter schwierige Aufgabe.

Daher wird auch bei der Schmerzdiagnostik zunächst eine Allgemeinuntersuchung durchgeführt werden, um den allgemeinen Gesundheitszustand Ihres Hundes zu bewerten und um organisch bedingten Schmerz ausschließen zu können. Mit Ihnen zusammen werden wir uns dann Ihren Hund auf Veränderungen im rassetypischen Gangbild ansehen.

Hierbei sind besonders Wendungen und Lastwechsel interessant, die verdeckte Schonhaltungen oder Lahmheiten zu Tage bringen können.Anschließend folgt die spezielle Untersuchung des Bewegungsapparates durch Abtasten der Haut, Unterhaut und Muskulatur, der Gelenke und bestimmter Schmerz- und Druckpunkte an den Gliedmaßen und der Wirbelsäule, durch Testung der Beweglichkeit undder Schmerzfreiheit der Gelenke.

Sollten sich hierbei schmerzhafte Veränderungenzeigen kann es empfehlenswert sein, weiter-gehende Untersuchungen durch Röntgen,CT oder MRT anzufertigen.Sollten sich bei diesen UntersuchungenHinweise auf ein Schmerzgeschehen beiIhrem Tier ergeben, sehen wir es als unserevornehmlichste Aufgabe an, eine Schmerz-freiheit bei Ihrem Liebling wiederherzustellen. Die bisher zur Verfügung stehenden Möglichkeiten waren uns für unsere Patienten nicht genug!Daher führen wir seit einigen Jahren die Goldimplantation als dauerhafte Schmerzbehandlung durch und sind von Methode und deren Erfolgen beeindruckt! Wir möchten, dass möglichst viele unserer Schmerzpatienten in den Genuß dieser neuen Schmerztherapie kommen können.Deshalb möchten wir Ihnen im folgenden einen kleinen Einblick in diese Methode geben:

Eine neue schonende Dauerhilfe……für chronisch schmerzhafte Gelenkserkrankungen bei Hunden (z.B. Hüftdysplasie, Ellbogendysplasie, Kniegelenksarthrosen, Wirbelsäulen-veränderungen und deren Folgen..)!

Die Methode wurde in den USA von DVM Terry E. Durkes Ende der 70er Jahre entwickelt und seither an Tausenden Hunden in den Vereinigten Staaten, Dänemark und der Schweiz durchgeführt.Seit Anfang der 90er Jahre wird diese Technik in z.T. modifizierter Version mit durchschlagendem Erfolg praktiziert: mehrere 1000 Hunde, vor allem großer Rassen, mit schweren Hüft-, Ellbogen- oder Wirbelsäulenproblemen, wurden in beiden Praxen mit dieser Technik erfolgreich behandelt. In unserer Praxis wird die Goldimplantation jetzt seit über 2 Jahren angewendet.

Bei jedem Schritt… !!

Der Erfolg der Golddrahtimplantation liegt in der umfassenden Diagnostik. Diese zielt auf eine Erfassung aller relevanten Schmerzsituationen im gesamten Bewegungsapparat.

Die Golddrahtimplantation behandelt nicht ein Gelenk, sondern den gesamten Bewegungsapparat!

Es ist zwangsläufig so, dass eine chronisch schmerzhafte Bewegung den gesamten Bewegungsablauf verändert. Aus der primären Schmerzsituation (HD seit dem frühesten Welpen- oder Junghundealter) entsteht eine Schonhaltung, die im günstigsten Fall die angrenzenden Gelenke unter vermehrte Belastung setzt (wie Kniegelenk, Übergang Kreuzbein-Lendenwirbel) – und dies bei jedem Schritt!

Am Beispiel der HD fehlt der notwendige Schub aus der Hinterhand (im physiologischen Fall ca. 70%) und die Vorderextremität muss mehr leisten, als sie es von der Veranlagung her vermag – und dies bei jedem Schritt!

Zwangsläufig überlasten die Vordergliedmaßen (zuerst Ellbogen, dann Schulter).
Letztlich entsteht aus der Hüftarthrose eine schmerzhafte Erkrankung, die weite Teile des Bewegungsapparates erfasst hat.Dort setzt die Golddrahtimplantation erfolgreich ein: wir behandeln nicht nur den Ausgangspunkt, sondern alle nachweisbaren, chronischen (wenn auch sekundären) Gelenksprobleme im weitesten Sinn.

Was wird eigentlich gemacht?Beispiel – Hüftdysplasie:

Nach einer sorgfältigen Diagnose mit Hilfe u.a. der Gangbildanalyse, Schmerz- und Triggerpunktpalpation (= manuelle Untersuchung auf Schmerzsituationen) und Hüftröntgen, werden dem Hund in Narkose um jede Hüftpfanne an mehreren Stellen zwischen drei und sieben Golddrahtimplantate eingesetzt. Der Eingriff dauert je nach Schwere der Erkrankung in der Regel zwischen 45 Minuten und zwei Stunden:Eine Hohlnadel wird an das Zielgebiet (z.B. Gelenkskapsel) herangeführt. Die Einstichstellen befinden sich an Akupunkturpunkten (Gallenblase 29, 30 und 31) vor, über und hinter dem Hüftgelenk

Nach Prüfung der richtigen Lage werden in den Konus der Nadel ein bis drei, ca. 2-3 mmlange, sterile Golddrahtstücke (24 Karat Gold) eingelegt undeinem stumpfen Metallstift (Mandrin) in die Tiefe vorgeführt.Danach wird die Nadel und dann der Mandrin entfernt.Bei Bedarf und arthrotischen Veränderungen wird über die gleichen Punkte der Oberschenkelhals bzw. die hüftbewegende Muskulatur implantiert.                                                                                     Nach Beendigung der Narkose stehen die Hunde problemlos auf – so, als wäre nichts geschehen – ohne Rekonvaleszenz. Die Methode ist minimalinvasiv und bereitet dem Patienten keine Operationsschmerzen.Die Golddrahtstücke wachsen ohne weitere Probleme im Gewebe ein und verbleiben ein Leben lang an ihrer gewünschten Stelle – sie wandern nicht!

Nachbehandlung:Nach zwei Tagen bis zwei Wochen können die positiven Veränderungen beim Patienten beobachtet werden. Die Schmerzen nehmen deutlich ab oder verschwinden gänzlich.

Hier setzt das Bewegungstraining ein:

Die neuen Bewegungsmöglichkeiten nutzen wir in der Phase der ersten Schmerzlinderung bzw. -stillung, um das normale Gangmuster wieder zu erlernen.

D.h. der Hund wird bis zur Nahtentfernung (i.d.R. 10 – 14 Tage nach der Operation) an der kurzen Leine im schnellen, kontrollierten Schritt bewegt – kein Trab, kein Galopp! Bei letzteren Gangarten wäre es dem Hund möglich, durch Ausgleichsbewegungen den „alten“ Schmerz zu vermeiden. Im Schritt muss das Gelenk „durchbewegt“ werden. Man sollte die Spaziergänge zweimal täglich durchführen – so lange es die Kondition des Hundes (und des Besitzers …) zulässt!Damit wird das Gangbild des Hundes, je nach vorliegender Veränderung des Hüftgelenkes, weitgehend normalisiert und der Muskelaufbau gefördert. Diese Muskelumstrukturierung (die Muskeln werden nach z.T. jahrelanger Schonbewegung wieder oder teilweise erstmals eingesetzt) kann häufig schmerzhaft sein oder zu so starken Missempfindungen führen, dass vorübergehend Schmerzen („Muskelkater“) in der betroffenen Region auftreten können. Diese Phase geht im Normalfall ohne medikamentöse Schmerzstillung vorüber, dauert aber manchmal bis zu drei Wochen.Auch die Strukturen des Beckens und die hinteren Abschnitte der Wirbelsäule, welche bisher aufgrund der Schonhaltung arg in Mitleidenschaft gezogen waren, werden nun normal belastet, und es ist mit keinen weiteren knöchernen Zubildungen in diesen Gebieten mehr zu rechnen.Die Beobachtungen von Dr. Durkes gehen sogar so weit, dass er nach langfristigen Röntgenkontrollen sogar die Rückbildung von Arthrosen beobachten konnte – eine Beobachtung, die wir noch nicht nachvollziehen konnten.

Der Wirkmechanismus

dürfte u.a. über eine Normalisierung des Gewebe-pH-Wertes im Entzündungsgebiet führen. Es entsteht ein Säuremilieu (=pH), in welchem Schmerzempfindungen auslösende und übertragende Stoffe, welche im Verlaufe einer Entzündung entstehen, nicht mehr an der Nervenmembran angreifen können. Dadurch gibt der Hund seine oft jahrelang praktizierte Schonhaltung auf, und das Bewegungsbild normalisiert sich.

Bei welchen Patienten macht die Golddrahtimplantation Sinn?
Es werden vorwiegend Hunde mittleren und hohen Alters operiert, wie auch junge Hunde mit teilweise hochgradigen Veränderungen.

Um realistisch zu bleiben:

  • Aus einem alten Hund mit jahrelangen Problemen wird kein „junger Hüpfer“ mehr; aber für die Restlebenszeit können wir die Lebensqualität des Hundes deutlich heben: er will wieder spazieren gehen, wieder Stufen steigen, wieder am Leben der Bezugspersonen teilhaben – teilweise wird bei vor der Implantation eher schlechtgelaunten bis aggressiven Tieren ein „Sinneswandel“ zu besserer Laune beobachtet!
  • Bei jüngeren Hunden zielen wir darauf ab, eine physiologische, also normale, Bewegung zu erreichen – und dies ein Leben lang. Aufgrund der chemischen Eigenschaften des Goldes verbrauchen sich die Implantate nicht!
  • Seit 1998 führen wir die Methode der Golddrahtimplantation auch bei jungen und sehr jungen Hunden (ab der 14. Lebenswoche!) durch, wenn aufgrund der Frühdiagnose-Röntgenuntersuchung (Quelle: Univ. Doz. Dr. Ewald Köppel, Österreich, 1991) mit einer Hüftdysplasie gerechnet werden muss. Auch bei diesen Hunden erzielen wir vielversprechende Erfolge.Der Grund für diese Erfolge ist nach den vorstehenden Erläuterungen sehr plausibel: Da die Goldimplantate Schmerzen und Missempfindungen stillen, lindern oder verhindern können, kommt es zu keiner Schonhaltung (welche sonst oft jahrelang unerkannt bleibt) und daher auch nicht zur Ausbildung von Sekundärveränderungen, welche oft viel schwerer wiegen als die HD selbst. Somit wird es möglich sein, die Ausprägung der HD zu minimieren, wenn auch die Anlage von den Eltern und Großeltern vererbt wurde.

Autoren:
Dr. Katrin Thelen, Prakt. Tierärztin, Physiotherapie, Gemünd;
Dr. Markus Kasper, Fachtierarzt f. Akupunktur u. Neuraltherapie, Tierklinik Aspern, Wien;
TA Peter Rosin, Prakt. Tierarzt, Berlin